Geschäftsbericht 2016DEENCN
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Eine Verbindung mit Zukunft:
Freie Sicht voraus

EVONIK ERMÖGLICHT DEUTLICH GRÖSSERE FENSTER IN FLUGZEUGEN UND HUBSCHRAUBERN – DAMIT PASSAGIERE UND PILOTEN GENAUSO VIEL SEHEN WIE CABRIOFAHRER. DAZU BAUT DAS UNTERNEHMEN IN WEITERSTADT DIE WELTWEIT MODERNSTE RECK- UND POLIERANLAGE FÜR POLYMETHYLMETHACRYLAT.

Die Sonne, die frühmorgens am Himmel über der afrikanischen Savanne aufgeht, die Millionen Lichter von New York bei Nacht, die weißen Wolken, die sich übereinander aufbauen wie Türme aus Zuckerwatte – all dies kann bislang nur genießen, wer im Flugzeug direkt am Fenster sitzt. Passagiere am Gang können die spektakulären Aussichten nur erahnen, denn normalerweise sind Fenster im Flugzeug gerade mal 29 Zentimeter hoch.

Materialien im Flugzeugbau sind enormen Belastungen ausgesetzt. PLEXIGLAS® hält ihnen stand.

Das wollen die Flugzeughersteller ändern, und zwar bald. In ihren Konzeptstudien vom Flugzeug der Zukunft genießen alle Reisenden die freie Sicht über den Wolken. In technischen Visionen lassen die Tüftler bereits voll verglaste Maschinen am Himmel kreisen, in denen Passagiere und Piloten ihre Umgebung durch riesige Panoramascheiben ungehindert betrachten. Bis es so weit ist, werden allerdings noch ein paar Jahre ins Land gehen. „Der Trend geht schon heute ganz klar zu größeren Kabinenfenstern in Verkehrsmaschinen“, sagt Martin Krämer, Leiter des Geschäftsgebiets Arcylic Products von Evonik. So hat etwa Boeing die Fenster im aktuellen Modell des Dreamliners um zwei Drittel vergrößert – auf eine Höhe von 48 Zentimetern. Und das ist erst der Anfang.

Exzellente mechanische und optische Eigenschaften, geringes Gewicht und gut zu verarbeiten: Werkstoffe, die in der Luftfahrt zum Einsatz kommen, müssen extrem hohe Belastungen aushalten. Für Scheiben in Flugzeugen und Hubschraubern kommt dazu häufig ein spezielles PLEXIGLAS® zum Einsatz – und das seit Jahrzehnten. Vereinfacht ausgedrückt, handelt es sich um Platten aus gegossenem PLEXIGLAS®, die in einem aufwendigen und sehr komplexen Verfahren gestreckt oder, wie der Fachmann sagt, gereckt werden. Evonik ist einer der führenden Hersteller des dazu notwendigen Vorprodukts.

Künftig will Evonik auch den Streck- und Polierprozess übernehmen und deutlich größere Fenster möglich machen – ein weiteres Beispiel für die intelligente Gestaltung des Geschäfts mit PLEXIGLAS®. Dazu investiert das Unternehmen am Standort Weiterstadt einen zweistelligen Millionen-€- Betrag in eine neue Reck- und Polieranlage für PLEXIGLAS®-Fliegwerkstoffe. Anfang 2018 soll die Produktion anlaufen.

Bei großen Fenstern stößt die Branche bislang an Grenzen. Gereckte PMMA-Platten (Polymethylmethacrylat) gibt es aktuell nur in einer Größe von maximal 2,5 mal 2,5 Meter. Bei Passagierflugzeugen werden aus solchen Platten mehrere Fenster geschnitten. Doch für große Panoramafenster oder anspruchsvolle Cockpitscheiben aus einem Stück ist das Format zu klein.

Evonik wird bald als erstes und einziges Unternehmen weltweit doppelt so große Platten von bis zu 3,7 mal 5,4 Meter auf den Markt bringen und direkt an die Hersteller von Flugzeugfenstern liefern. Das Spezialchemieunternehmen schafft damit eine wichtige Voraussetzung für den Bau von Panoramaflugzeugen.

Für Scheiben in Flugzeugen kommt PLEXIGLAS® zum Einsatz.
Auch für Hubschrauber bietet PLEXIGLAS® intelligente Lösungen.

Hinzu kommt: Das größere Plattenformat ermöglicht es Herstellern konventioneller Flugzeugscheiben, nahezu doppelt so viele Fenster aus einer einzigen Platte herzustellen. Das rechnet sich. „Wir vervollständigen unser Produktportfolio als Komplettanbieter von gegossenen und gereckten PMMA-Platten für die Luftfahrtindustrie und positionieren uns als führender Hersteller von polymeren Werkstoffen und Zwischenprodukten“, erklärt Roland Mickal, Leiter des Marktsegments Transportation im Geschäftsgebiet Acrylic Products von Evonik.

Die Luftfahrtindustrie verzeichnet für Evonik attraktive Wachstumsraten. Schätzungen gehen davon aus, dass allein die vier größten Hersteller von Passagiermaschinen bis 2031 rund 30.000 neue Flugzeuge ausliefern werden. Denn weltweit können sich immer mehr Menschen Urlaubsreisen leisten oder müssen beruflich fliegen.

Beim Recken werden die Blöcke erst erhitzt und anschließend mithilfe von Klammern auseinandergezogen. Dabei entstehen aus einem Quadratmeter Fläche drei Quadratmeter große Platten. Anschließend wird das abgekühlte Material geschliffen und poliert. „Die neue Anlage wird weltweit die modernste ihrer Art sein. Dank unserer Technologieführerschaft können wir unseren Kunden künftig optimierte Produkte anbieten“, sagt Evonik-Experte Mickal.

Gereckte PLEXIGLAS®-Platten von Evonik werden zudem besonders gleichmäßig sein. Experten sprechen von einer deutlich verbesserten Dickentoleranz. Dieser Wert gibt an, wie weit die Dicke des Materials um einen gewünschten Sollwert schwankt. Je geringer die Schwankungen und je konstanter der Wert, desto gleichmäßiger sind die technischen Eigenschaften des Materials. Bei Flugzeugfenstern kommt hinzu: Je kleiner die Dickentoleranz, desto leichter die Fenster und damit das gesamte Flugzeug – und desto geringer der Kerosinverbrauch. Damit wird das Reisen im Panorama-Jet nicht nur schöner, sondern auch umweltfreundlicher.