Geschäftsbericht 2016DEENCN
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Klaus Engel, Vorsitzender des Vorstandes der Evonik Industries AG

Klaus Engel

Vorsitzender des Vorstandes

unser Unternehmen blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurück, das allerdings auch von schwierigen Rahmenbedingungen und großen politischen Ereignissen geprägt war. So ist die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr um lediglich 2,3 Prozent gewachsen und damit hinter den durchschnittlichen Erwartungen vom Jahresbeginn zurückgeblieben.

Die Wachstumsschwäche ging vor allem auf die verhaltene Entwicklung in Nordamerika zurück. Zugleich verlangsamte sich die wirtschaftliche Aktivität in den Schwellenländern. In Lateinamerika blieb die Wirtschaft, geprägt von großen regionalen Unterschieden, in der Rezession.

In Europa sorgte die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zwar für eine gewisse Belebung, vor allem im Konsum. Zugleich bleiben offene Fragen über die Risiken im Bankensystem und die Folgen der Entscheidung Großbritanniens zum Austritt aus der EU.

In diesem volatilen und herausfordernden Umfeld hat Evonik seinen erfolgreichen Weg fortgesetzt. Nach dem außergewöhnlich starken Vorjahr 2015 hatten wir für 2016 ein bereinigtes EBITDA von 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Dieses Ziel haben wir mit 2,165 Milliarden Euro am oberen Ende unseres Ausblicks erreicht.

Beim Umsatz liegen wir mit 12,732 Milliarden Euro deutlich unter dem hohen Wert des Vorjahres. Dies geht vor allem auf niedrigere Rohstoffpreise zurück, die zu entsprechend niedrigeren Preisen geführt haben. Bei der Absatzmenge haben wir 2016 im Vergleich zum Vorjahr hingegen erneut zugelegt.

Für das laufende Geschäftsjahr 2017 erwarten wir für die Weltwirtschaft eine leichte Verbesserung der Rahmenbedingungen und ein globales Wachstum von 2,6 Prozent. Zugleich bleiben schwierige politische und geopolitische Rahmenbedingungen weiter bestehen. Das gilt insbesondere auch für die Europäische Union, in der 2017 wichtige Wahlen anstehen.

Für Evonik blicken wir weiter zuversichtlich nach vorn. Unsere Investitionen werden sich in diesem Jahr weiter auszahlen, so dass wir erwarten, unser bereinigtes EBITDA von 2016 zu übertreffen. In unserem Ausblick gehen wir von einem Ergebnis zwischen 2,2 und 2,4 Milliarden Euro aus.

Im September 2017 wird Evonik zehn Jahre alt. 2007 hatte Werner Müller in Essen unsere sorgfältig verhüllte Unternehmenszentrale freigelegt, auf der sich der damals neue Name „Evonik Industries“ weithin sichtbar präsentierte. Seitdem haben wir das Unternehmen konsequent und mit zukunftsorientierter Kreativität weiter entwickelt. Wir sind sicher durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen, haben Evonik erfolgreich an die Börse gebracht, uns vom Immobiliengeschäft und von unserer Energiesparte getrennt und das Unternehmen gezielt auf die Chemie ausgerichtet.

Zugleich haben wir unsere Internationalisierung Schritt für Schritt vorangetrieben und moderne Produktionsanlagen unter anderem in Singapur, China, Nordamerika und in Brasilien in Betrieb genommen. Mit der Übernahme des Spezialadditiv-Geschäfts von Air Products ist uns ein großer und wichtiger Schritt zu strategischen Weiterentwicklung unseres Portfolios gelungen. Wir bauen dieses lukrative Geschäft für Evonik in Amerika und Asien kräftig aus und steigen damit zu einem weltweit führenden Anbieter von Spezialadditiven auf. Die Integration der Geschäfte und der neuen Mitarbeiter in unsere Wachstumssegmente Resource Efficiency und Nutrition & Care geht zügig voran. Entsprechend hoch sind unsere Erwartungen an die künftige Entwicklung der Spezialadditive.

Ähnlich zuversichtlich blicken wir auf unser weltweites Silica-Geschäft, das wir durch eine weitere Übernahme stärken können. Mit der Akquisition der Silica-Sparte des amerikanischen Familienunternehmens J. M. Huber bauen wir auch in diesem Geschäft unsere Präsenz in Nordamerika und Asien insbesondere im konsumentennahen Sektor aus. Wir gehen davon aus, die Transaktion nach Zustimmung der Kartellbehörden im Laufe dieses Jahres erfolgreich abschließen zu können.

Eine zusätzliche Stärkung erfährt unser Silica-Geschäft durch den Bau einer neuen Anlage im Süden der USA. Die Produktion soll planmäßig 2018 starten. Auch in Brasilien haben wir bereits ins Silica-Geschäft investiert und im vergangenen Sommer in Americana unsere neue Silica-Anlage erfolgreich in Betrieb genommen.

Zur weiteren Absicherung unserer Wachstumschancen im Methionin-Geschäft haben wir im vergangenen Oktober mit dem Bau unseres neuen Produktionskomplexes zur Herstellung von Methionin in Singapur begonnen, da die Nachfrage nach Futtermitteladditiven für die Tierernährung vor allem in Asien weiter stetig wächst. Auch an unseren europäischen Standorten haben wir uns weiter für die Zukunft gerüstet: Im Herbst haben wir den Spatenstich für unsere neue Polyamid-12-Pulver-Anlage in Marl gesetzt, um unsere Kapazität für Polyamid-12-Pulver um 50 Prozent zu steigern. Starkes Wachstumspotenzial sehen wir hier insbesondere im Bereich des sogenannten 3D-Drucks.

In Weiterstadt bauen wir eine neue Reck- und Polieranlage für PLEXIGLAS®, die Anfang 2018 in Betrieb gehen soll. Sie wird es möglich machen, Scheiben aus PLEXIGLAS® deutlich größer und gleichmäßiger herzustellen – zum Beispiel für die Flugzeugindustrie.

Im österreichischen Schörfling erweitern wir zeitgleich unsere Membranproduktion. Das Geschäft mit Membranen ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie wir mit innovativen Produkten neue Märkte erschließen. Denn Innovation, Kundennähe und Kreativität sind für Evonik entscheidende Treiber für profitables Wachstum. Bis 2025 wollen wir insgesamt 4 Milliarden Euro in unsere Innovation investieren. Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir 438 Millionen Euro für unsere Forschung und Entwicklung aufgebracht. Das zahlt sich aus: 2016 haben wir rund 230 neue Patente eingereicht, gut zehn Prozent unseres gesamten Umsatzes haben wir mit Produkten gemacht, die jünger sind als fünf Jahre.

Wegweisende Innovationen werden auch mit der so genannten vierten industriellen Revolution einhergehen. Auch an der Chemie-Industrie geht die Digitalisierung nicht vorbei. Sie birgt für uns, neben technologischen Fortschritten, erhebliches Potenzial für neue Geschäftsmodelle, Supply- Chain-Konzepte sowie neue Vertriebswege. Entsprechend haben wir uns organisatorisch rechtzeitig und interdisziplinär aufgestellt, um alle Chancen der Digitalisierung für Evonik frühzeitig zu erkennen und nutzbar zu machen.

Jenseits des Tagesgeschäfts halten wir aber auch bei aller Innovationsfreude an etwas fest, das uns sehr am Herzen liegt – unser gesellschaftliches Engagement. So wird die Evonik Stiftung im Jahr unseres zehnjährigen Bestehens ihre vielfältigen Aktivitäten im Bereich der Förderung von Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport weiter verstärken.

Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt dabei unverändert der Qualifizierung und Ausbildung von Flüchtlingen und unterprivilegierten deutschen Jugendlichen.

Nachhaltiger Erfolg bei wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten stellt sich langfristig nur ein, wenn ein Unternehmen qualifizierte, engagierte und weltoffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat. Mit Blick auf Evonik stimmt mich dieser Gedanke auch für die Zukunft ausgesprochen positiv und zuversichtlich.

Der Evonik-Vorstand, v. l. n. r.: Ralph Sven Kaufmann, Christian Kullmann, Ute Wolf, Klaus Engel, Thomas Wessel